Mittwoch, 16. Mai 2018

Themenwoche Serienmörder - Definition

Wer oder was ist eigentlich ein Serienmörder? Wo ist die Abgrenzung? Ich möchte Euch heute einen kleinen Abriss über die Definition geben.

 
Bis in die achtziger Jahre wurden Serienmörder auch Mehrfachmörder genannt und der einheitlichen Kategorie Massenmörder ebenso wie die Rauschmörder zugeordnet. Statistisch wurde dies nicht unterschieden. Das hat sich mittlerweile geändert, denn die Definition eines Massenmörder ist heutzutage eine andere. Massenmörder töten während einer Tat vier oder mehr Personen am gleichen Ort, Rauschmörder mindestens drei Menschen an unterschiedlichen Orten in kurzem zeitlichen Abstand. In der Regel suchen sich Massen- und Rauschmörder ihre Opfer nicht gezielt aus, Serienmörder haben aber oft ein grobes Opfer-Schema im Kopf (z.B. Pädophile) oder suchen sich ihre Opfer gezielt.
 
Das FBI definierte 1992 in ihrem "Crime Classification Manual" den Serienmord sinngemäß wie folgt:
"Die gesetzwidrige Tötung von zwei oder mehr Opfern durch denselben (oder dieselben) Täter zu verschiedenen Gelegenheiten."[1]
 
Der Kriminalhauptkommissar und Serienmord-Experte Stephan Harbort vom Polizeipräsidium Düsseldorf geht noch einen Schritt weiter und definiert in seinem Buch "Killerfrauen" den Serienmord wie folgt:
"Demnach liegt ein Serienmord vor, wenn der/die voll oder vermindert schuldfähige Täter/-in alleinverantwortlich oder gemeinschaftlich mindestens zwei versuchte bzw. vollendete Tötungsdelikte begeht (§§ 211 [Mord], 212 [Totschlag], 213 [minder schwerer Fall des Totschlags] StGB), die jeweils von einem neuen Tatentschluss getragen werden und in keinem inneren Zusammenhang stehen."[1]
 
Generell schließt dies aber nicht aus, das ein Serienmörder während einer Tat auch mehrere Opfer tötet. Serienmorde werden oft schwer als solche erkannt, denn die Taten können zeitlich sehr weit auseinanderliegen. Gleiches gilt für das Örtliche. Durch Globalisierung und Grenzöffnungen kann dieser Faktor sogar noch verstärkt wirken. Dabei ist der Serienmord kein neuzeitliches Phänomen. Bereits im ersten Jahrhundert nach Christus soll die römische Giftmischerin Lucusta an der Ermordung von Kaiser Claudius beteiligt gewesen sein, indem sie Agrippina das Gift lieferte.[2] Auch Nero schickte ihr Schüler, die sie in der Kunst des Giftmischens unterrichten sollte. Galba, der Nachfolger Neros, ließ sie letztendlich hinrichten. Lucusta gilt als der erste überlieferte Fall einer weiblichen Serienmörderin. Im Mittelalter galten im nahen Osten die Assassinen und die indischen Thuggee als sehr bekannte Vertreter dieser Kategorie. 1888 - 1891 löste Jack the Ripper durch die Whitechapel-Morde (eine Serie von insgesamt elf Morden) als erster Serienmörder durch die weltweiten Zeitungsreportagen einen bisher nie dagewesenen Medienrummel aus. Diese Mordserie ist bis heute ungeklärt und Jack the Ripper ordnen dabei die Experten nur die "kanonischen Fünf" von 1988 zu. Bei den restlichen sechs Morden ist dies umstritten, ob sie dem gleichen Täter zuzuordnen sind.[3] 76% der bekannten Serienmörder des 20. Jahrhunderts stammen aus den USA, wie z.B. Ted Bundy.[4] Aber auch noch ungeklärte Serienmorde erlangten Berühmtheit, wie z.B. die Taten des Zodiac-Killer.[5] Der Mitte der siebziger Jahre in San Francisco von der Polizei und Presse als "The Doodler"[6] bezeichnete unbekannte Täter gehört da sicherlich auch dazu. Mit insgesamt vierzehn Todesopfern handelt es sich bis heute um einen der zahlenmäßig bedeutendsten ungelösten Serienmorde.
 
Quellenangaben:
  1. Stephan Harbort: Killerfrauen / Knaur Verlag 2017 / ISBN: 978-3-426-78866-0 / S. 11-12
  2. Michael Newton: Die große Enzyklopädie der Serienmörder / Verlag f. Sammler 2009 / 978-3-853-65240-4 / S. 134
  3. Michael Newton: Die große Enzyklopädie der Serienmörder / Verlag f. Sammler 2009 / 978-3-853-65240-4 / S. 186-191
  4. Michael Newton: Die große Enzyklopädie der Serienmörder / Verlag f. Sammler 2009 / 978-3-853-65240-4 / S. 130
 

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