Dienstag, 22. Mai 2018

Themenwoche Serienmörder - Das Phänomen


Wenn die Menschen von Serienmördern hören oder lesen, dann ist immer eine gewisse Faszination zu beobachten. Aber was macht dieses Phänomen aus? Warum fühlen wir uns von diesem Horror angezogen? Sind es Ängste, die in uns geweckt werden und den Adrenalinpegel nach oben treiben? Ich weiß es nicht, denn ich bin kein Fachmann. Fakt ist aber das Mord so alt ist wie die Menschheit, z.B. Kain und Abel. Aber auch den Serienmord gibt es schon seit Jahrhunderten. Was liegt also näher das sich auch die Literatur oder Filmwelt dessen annimmt. Schon als die Bilder laufen lernten wurde zur Stummfilmzeit ein erster Film mit einem Serienmörder gedreht. "Das Cabinet des Dr. Caligari" aus dem Jahr 1920 gilt dabei als Meilenstein der Filmgeschichte. Der Erfolg verhalf der deutschen Filmindustrie nach dem 1. Weltkrieg zu großem Ruhm und in Hollywood blickte man damals noch neidisch nach Babelsberg. Aber nicht nur ernst wurde das Thema verfilmt. Ein Klassiker ist sicherlich der 1944 entstandene amerikanische Streifen "Arsen und Spitzenhäubchen". Ein Komödie mit schwarzem Humor bei der zwei alte Damen im wahrsten Sinn des Wortes einige Leichen im Keller haben. Gary Grant spielte dabei ihren Neffen Mortimer. Er spendete damals seine komplette Filmgage von 100000 Dollar dem U.S. War Relief Fund. Aber auch in den goldenen 50er Jahren entstand nach dem Drehbuch von Friedrich Dürrenmatt einer der für mich vielleicht besten Schwarzweißfilme eines Serienmörder in schweizerisch-deutsch-spanischer Kooperation. "Es geschah am hellichten Tag" aus dem Jahr 1958 mit Heinz Rühmann, Siegfried Lowitz und Gerd Fröbe in den Hauptrollen als vorzügliche Darsteller, ein Film schon damals mit hoher Spannung. Die Darstellung des Kindermörders Schrott verhalf Gerd Fröbe auch zu seiner Rolle als James Bond Bösewicht Goldfinger. Als die Zeit der Slasher-Filme in den 70er Jahren begann, gab es vorwiegend aus den USA viele Verfilmungen, die fiktive Serienkiller hervorbrachte, deren Namen auch heute noch jedem ein Begriff sind: Michael Myers, Jason Voorhees, Hannibal Lecter, Norman Bates, John Ryder, um nur einige davon zu nennen.
Dank Hollywood gilt Thomas Harris' erschaffener Hannibal Lecter als Inbegriff des infernalischen Serienmörder. "Das Schweigen der Lämmer" ist seit mehr als 25 Jahren Kult. Der Film wurde damals mit fünf Oscars ausgezeichnet und war an den Kinokassen ein voller Erfolg. Aber auch in der Buchwelt wurden damit große Erfolge erzielt. Das Genre Krimi und Thriller bringt jedes Jahr psychopathische Serienkiller hervor, denn der Krimi lebt von dem Auf und Ab der Gefühle. Ängste und Emotionen werden erzeugt, Spannung dadurch hochgehalten.
Aber was fasziniert Menschen an Serienmörder im realen Leben? Nehmen wir zum Beispiel den österreichischen Frauenmörder Jack Unterweger. Nach seiner Verurteilung wegen Mord 1976 zu lebenslanger Haft begann er im Gefängnis zu schreiben. Mann nannte ihn "Häfenliterat" oder "Knastpoet". Auch in den USA wurde er als "Jack the Writer" bekannt. Sogar mit einem Literaturpreis wurde er geehrt und 1990 dann als resozialisiert auf Bewährung freigelassen. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis hofierte die High-Society ihn und er verdiente gut an seinem Wirken. Aber sechs Monate nach seiner Entlassung begann eine Serie von Morden an Prostituierten. Unterweger geriet erneut in Verdacht und wurde 1992 in Miami vom FBI festgenommen. Mittels eines zum ersten Mal zugelassenen DNA-Gutachten bei Gericht und das er zu allen Zeiten für Lesungen an den Tattagen in den jeweiligen Regionen ohne Alibi war (was man nicht mehr mit Zufall erklärte), wurde er am 29. Juni 1994 von einem Grazer Gericht wegen 9-fachen Mordes erneut zu lebenslanger Haft verurteilt. Diesmal ohne die Möglichkeit einer Strafaussetzung auf Bewährung. Zwei weitere Fälle konnten ihm nicht bewiesen werden. Noch in der selben Nacht beging er in der Justizanstalt Graz-Jakomini Selbstmord durch Erhängen mit der Kordel seiner Jogginghose. Der Knoten, an dem er sich erhängte, war auf dieselbe Weise geknüpft wie die Schlingen, die um die Hälse der Prostituierten gelegt worden waren. Das Urteil gegen Jack Unterweger ist aufgrund seines Todes nie rechtskräftig geworden.
Forscht man im Lebenslauf von Serienmördern findet man heraus das diese häufig selbst Opfer ihrer Herkunft sind. Meist wurden sie von Verwandten missbraucht und misshandelt, wuchsen ohne Liebe auf. Das rechtfertigt in keinerlei Weise ihre Taten, aber es macht einem manchmal einiges begreifbarer. Ted Bundy, einer der bekanntesten Serienmörder der USA, zeigte sich in einem Interview mit einer Zeitung verblüfft darüber, dass seine Morde überhaupt aufgefallen waren. Er konnte nicht begreifen, dass die Menschen die er getötet hatte irgendjemandem fehlten. Er hatte die Amerikaner immer als Leute empfunden, die ihre Mitmenschen wie Unsichtbare behandelten. Amerika war für ihn ein Ort der Unsichtbaren.
Darum möchte ich meine Themenwoche "Serienmörder" mit einem Zitat von Antoine de Saint-Exupéry beenden:
 
"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

PS: Vergesst nicht das Gewinnspiel zur Blogtour!
 
 

Montag, 21. Mai 2018

Themenwoche Serienmörder - Blogtour


Vor gut einer Woche konntet ihr meine Rezension zu "Immer wenn du tötest" von B.C. Schiller lesen. Nun neigt sich meine eigene Themenwoche zu Serienmörder langsam dem Ende zu. Ich hoffe ich konnte Euch ein paar Einblicke geben und meine Beiträge waren für Euch genauso interessant wie für mich meine Recherchearbeit zum Thema.
Aber damit noch nicht genug. Gemeinsam mit lieben Bloggerkolleginnen gibt es noch bis nächsten Montag Einblicke zu B.C. Schiller's neuem Thriller. Daher möchte ich Euch sehr herzlich einladen auch auf deren Blogs reinzuschauen, ich verspreche Euch spannende Unterhaltung. Anbei seht ihr das zugehörige tägliche Programm. Die Links zu den einzelnen Blogs seht ihr unten in meinem Artikel. Den Anfang darf ich morgen machen mit dem Phänomen Serienmörder. Dabei werde ich Euch ein wenig aus der Filmwelt berichten und am Ende noch ein realen Fall schildern, der prädestiniert für die Faszination der Menschen an diesem Thema ist. Wenn Ihr möchtet, hinterlasst mir eure Kommentare zu meiner ersten Themenwoche oder in den einzelnen Themenblocks. Ich bin gespannt auf eurer Feedback.
 
 
Anlässlich unsere BlogTour verlosen wir zusätzlich insgesamt sieben druckfrische Buchexemplare von „Immer wenn Du tötest“ von B.C.Schiller.
 
Und hier kommt bereits eure erste Gewinnchance!
Jeden Tag verstecken wir im jeweiligen Blogbeitrag Buchstaben, die das Wort/Wörter des Tages ergeben. Habt Ihr das Wort gefunden, merkt ihr es euch und verbindet es mit dem Wort vom nächsten Tag. Am Ende der Tour ergibt sich daraus der Lösungssatz! Bitte nicht die einzelnen Wörter einsenden, nur der ganze Satz am Ende der Tour kommt in den Lostopf!
Schickt bitte des Rätsels Lösung mit Angabe eurer Adresse an folgende Mailadresse:
 
TargaHendricks@gmx.de

Am 29.05.2018 geben wir die glücklichen Gewinner bekannt.
Teilnahmeberechtigt sind alle Personen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ihr solltet über 18 Jahre alt sein, ansonsten benötigen wir das Einverständnis eurer Erziehungsberechtigten. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Für evtl. Verlust auf dem Postweg übernehmen wir keine Haftung. Mit der Teilnahme an diesem Gewinnspiel erklärt ihr euch einverstanden, dass euer Name für die Gewinner-Bekanntgabe auf unseren Blogs veröffentlicht wird und eure Adresse für den Versand des Gewinns an den Verlag weitergegeben werden darf. Nach der Gewinnerbekanntgabe habt ihr 48 Stunden Zeit, euch zu melden. Ansonsten müssen wir neu auslosen.

Links zu den jeweiligen Blogs:
 
 
Morgen geht es los und nicht vergessen: Sei mutig und gewinne diesen Thriller!



Sonntag, 20. Mai 2018

Themenwoche Serienmörder - Die schwarze Witwe



Nachdem ich in den letzten Tagen bereits den männlichen Serienmörder Martin Ney im Rahmen der Themenwoche vorgestellt habe, kommt jetzt ein weibliches Pendant dazu. Diesmal geht es um eine österreichische Serienmörderin, die als die "schwarze Witwe" in die Kriminalgeschichte einging. Seit Jahrtausenden werden Giftstoffe als Mordwaffe verwendet, vor allem aber auch immer wieder von Frauen.  Die Gründe könnten sein, dass keine physische Gewalt notwendig ist, das Opfer wehrt sich nicht. Und bis vor wenigen Jahrzehnten waren manche Gifte schwer nachweisbar. Obwohl Giftmorde in Österreich eher selten waren in den letzten Jahrzehnten ist wohl der Fall der Elfriede Blauensteiner der spektakulärste seiner Art. Geboren 1931 in Wien wuchs sie in im Bezirk Favoriten gemeinsam mit fünf Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf. Ihr erster Ehemann ließ sich nach der Geburt der gemeinsamen Tochter von ihr scheiden. "Seitdem hasse ich die Männer" sollte Blauensteiner später einmal zu Protokoll gegeben haben. Mit zunehmenden Alter entwickelte sie eine Spielsucht und geriet somit immer wieder in Geldnot. Um ihre Sucht finanzieren zu können, suchte sie mittels Kontaktanzeigen in Zeitungen nach wohlhabenden und pflegebedürftigen Opfern. Ziel war es, dass diese ihr deren Sparbücher und Liegenschaften vererbten. Sie ging sogar soweit, dass sie deren Testamente von ihrem Rechtsanwalt fälschen ließ. Blauensteiner soll dabei für die Ermordung von sechs Menschen verantwortlich sein. Ihr erstes Opfer soll ihr an Diabetes leidender Ziehvater Otto Reinl gewesen sein, den sie 1986 in ihre häusliche "Pflege" aufnahm. Er erhält von ihr eine Überdosis Euglucon, ein blutzuckersenkendes Mittel, an dem er Ende der achtziger Jahre stirbt. Zitat von Elfriede Blauensteiner: "Ich habe ihn von seinen Leiden befreit." Das nächste Opfer ist ihr Gatte aus zweiter Ehe Rudolf Blauensteiner. Der ÖBB-Fahrdienstleiter bekommt sechs Jahre lang von seiner Ehefrau Euglucon verabreicht. Kurz vor seinem Tod verfällt er sogar 13 Tage ins Koma. Er starb am 10. August 1992 im Alter von 52 Jahren. Die "trauernde" Witwe lässt ihren Rudi vorsorglich einäschern, seine Urne wird in dem Grab von Otto Reinl beigesetzt.  "Der Rudi hat seinen Tod verdient", war später der Kommentar von Elfriede Blauensteiner. Auch ihr nächstes Opfer ist alt und wohlhabend. Es ist die 84-jährige Nachbarin Franziska Köberl. Anfangs wirken bei ihr nicht die blutzuckersenkenden Medikamente, denn Blauensteiner weiß nicht dass die alte Frau heimlich immer Süßigkeiten nascht. So erhöht sie mehrmals die Dosis. Als Frau Köberl ihr dann unter anderem einige gut gefüllte  Sparbücher überschreibt, verabreicht ihr Blauensteiner ein Haferl Milchkaffee versetzt mit einer Überdosis Euglucon. Franziska Köberl stirbt am 15. Dezember 1992. Erwin Niedermayer wurde ihr viertes Opfer und dankte es mit einer beachtlichen Hinterlassenschaft. Aber die leidenschaftliche Casinospielerin gibt ihre "Erbschaft" immer wieder mit vollen Händen aus. Und so ist sie im Frühjahr 1994 schon wieder knapp bei Kasse und gibt erneut ein Inserat auf. Der 64-jährige Rentner Friedrich Döcker macht den fatalen Fehler und antwortet darauf, ja sie heiraten sogar. Schon drei Tage nach der Hochzeit bringt sie ihn dazu ihr mittels eines Schenkungsvertrags sein Haus im Wert von drei Millionen Schilling zu überschreiben. Er wusste nicht, dass er damit sein Todesurteil unterschrieb. Wieder bringt sie die Tabletten ins Spiel und lässt ihn dadurch immer schwächer werden. Ende 1994 muss er sogar ins Krankenhaus. Nach seiner Entlassung nimmt sie ihn in ihre Wohnung auf, denn "ihr" Haus hat sie mittlerweile verkauft. Döcker ist nun eigentlich mittellos und stellt daher für sie keinen Wert mehr dar, aber sie bringt ihn noch dazu seinen Körper zu Forschungszwecken dem Anatomischen Institut der Universität Wien zu vermachen. Bei der Unterschrift dazu führt sie ihm die Hand. Friedrich Döcker verstirbt am 11. Juni 1995 mit 65 Jahren dank "intensiver" Pflege. Schon kurz vor dem Ableben von Döcker schaltete die schwarze Witwe erneut eine Kontaktanzeige: "Suche einsamen Mann, der sich  nach einer häuslichen Witwe, 62/166 sehnt". Über dieses Zeitungsinserat lernte die Wienerin Elfriede Blauensteiner im Oktober 1995 den 77-jährigen Alois Pichler in der Wachau kennen. Schon wenige Tage nach dem ersten Treffen stahl Blauensteiner dem Pensionisten ein Sparbuch und ließ von ihrem Anwalt einen Schenkungsvertrag entwerfen, mit dem der Grundbesitz des wohlhabenden Wachauers übertragen werden sollte. Schon kurze Zeit später musste Pichler zweimal wegen akuter Unterzuckerung ins Krankenhaus. In dieser Zeit vernichtete sie ein Testament von Pichler und nach seiner Entlassung soll dieser dann angeblich mündlich als neue Begünstigte eingesetzt haben. Als Testamentszeugen sollen für dies eine Freundin Blauensteiners und ein Bekannter ihres Anwalts aufgetreten sein. Als Alois Pichler ihr die Losungswörter für zwei Sparbücher verriet, plünderte sie die Konten. Nur knapp zwei Monate hat es gedauert bis am 20. November 1995 dem Opfer einen Cocktail aus Euglucon und dem Antidepressivum Anafranil verabreicht. Als Alois Pichler schließlich durch die Intoxikation bewusstlos wurde, legte Blauensteiner ihm eiskalte Handtücher auf, öffnete die Fenster und ließ ihn erfrieren. Kurz bevor ihr Opfer starb, rief sie den Notdienst. Der Tod trat schließlich im Krankenhaus ein. Nachdem sich der Neffe des Mordopfer um sein Erbe betrogen fühlte und Blauensteiner anzeigte, wurden die Behörden tätig. Sie wurde am 11. Jänner 1996 verhaftet. Sie gestand anfangs sechs Morde, der nachfolgende Prozess im Frühjahr 1997 vor dem Landesgericht Krems war aber schwierig. Blauensteiner trat immer medienwirksam auf, inszenierte sich und gestand als Angeklagte Morde, nur um ein Geständnis wenig später zu widerrufen. So trat sie auch unter anderem mit einem goldenen Kreuz auf, hielt es in die Höhe und rief frei nach Pontius Pilatus die Worte "Ich wasche meine Hände in Unschuld. Ich würde niemals töten." Letztendlich wurde sie 1997 im Mordfall Pichler schuldig gesprochen. Das Urteil lautete auf lebenslange Freiheitsstrafe. Bei ihrer Urteilsverkündung sagte sie zu den anwesenden Reportern: "Macht's ordentliche Fotos von mir. Ich bin nämlich jetzt prominent." In Wien wurde sie im Jahr 2001 in zwei weiteren Fällen (Franziska Köberl und Friedrich Döcker) ebenfalls wegen Mordes verurteilt. 2001 erschien auch der Film "Die Gottesanbeterin", der die Geschehnisse rund um die Serienmörderin zum Inhalt hatte. Blauensteiner wurde darin von Christiane Hörbiger dargestellt. Ab 1997 war Elfriede Blauensteiner in der Justizanstalt Schwarzau inhaftiert. Am 16. November 2003 stirbt sie 72-jährig an den Folgen eines Gehirntumor. In Summe soll sie allein in Spielcasinos rund 15 Millionen Schilling gelassen haben.
 
Quellen: 
  1. Die schwarze Witwe in ORF2-Tatsachen (4:48)
  2. Wikipediaeintrag: Elfriede Blauensteiner
  3. Diverse Zeitungsberichte von österreichischen Tageszeitungen


Samstag, 19. Mai 2018

Themenwoche Serienmörder: Stephan Harbort - Killerfrauen


Kurzbeschreibung:
 
Eine Krankenschwester, die im Namen Gottes kaltblütig ihre Patienten tötet. Zwei junge Frauen, die auf ihre Opfer mit Baseballschlägern einprügeln und sie zu Tode foltern. Eine Eisverkäuferin, die systematisch ihre Ex-Männer ermordet. Der Kriminalist Stephan Harbort erzählt packend Fälle von Serienmörderinnen, analysiert Motive und Hintergründe der Taten und die Profile der Täterinnen. Er gibt beklemmende Einblicke in die Abgründe der weiblichen Seele.
 
Buchdaten:
 
Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: Knaur TB
Erscheinungsdatum: 1. März 2017
ISBN: 9783426788660

Meine Meinung:

In diesem Buch stellt Stephan Harbort diesmal sieben Fälle von Serienmörderinnen vor. Dabei erfährt der Leser wieder einiges. Alle Fälle waren teilweise bzgl. ihrer Täterinnen so unterschiedlich. Von Habgier, über Gewalt oder auch "Erlösung" (wenn man es so nennen kann) als Beweggründe war alles vorhanden und dabei hat der Autor mit vier der Täterinnen persönlich sprechen können. Interessant ist auch das Frauen teilweise tatsächlich anders töten als Männer. Serienmörderinnen sind in der Regel verheiratet, unauffällig und nicht vorbestraft. Meist kennen sie ihre Opfer und haben eine berufliche oder private Beziehung zu ihnen. Harbort hat dabei herausgefunden das im Gegensatz zu den Opfern von männlichen Serienmördern die der Frauen meist sehr jung oder sehr alt sind. Meist sind dies Kinder oder Patienten / Schutzbefohlene. Für mich der interessanteste Einblick war die von Harbort erstellte Kriminologie von Serienmörderinnen in der Bundesrepublik Deutschland im Zeitraum von 1945-2015. Nur 18 Prozent der 212 abgeurteilten Mordserien, also 38 Fälle, wurden von Frauen begangen. Der Autor geht aber von einer Dunkelziffer von mindestens 100 Frauen aus, die Menschen getötet haben und deren kriminelles Handeln unentdeckt blieb. Die Täterinnen werden üblicherweise erst nach sechseinhalb Jahren überführt und verüben in dieser Zeit vier bis fünf Morde. Dies alles stellt für mich als Leser interessante Einblicke dar und auch das Verzeichnis am Ende des Buches über die benutzte und empfohlene Literatur ist ein guter Tipp für weitere Informationen. In Summe für war dieses Buch auch wieder ein spannender Einblick, diesmal mit Sicht auf weibliche Serienmörderinnen.
 
Bewertung auf meiner Skala:
 
90%
 

Freitag, 18. Mai 2018

Themenwoche Serienmörder - Der Maskenmann

Fahndungsbild der Polizei in Niedersachsen. Wurde von der Soko Dennis veröffentlicht um einen Serien-Kinder-Mörder zu finden.
Nachdem ich Euch gestern das Buch "Killerinstinkt" von Stephan Harbort vorgestellt habe und mich darin auch ein Fall besonders bewegt hat, ging ich auf Spurensuche. Heute möchte ich Euch daher den Fall des Maskenmann näher vorstellen, dem 3 Morde und über 40 Missbrauchsfälle im Zeitraum 1992-2004 nachgewiesen werden konnten.
 
Im März 1992 trat der Maskenmann im Kinderheim Hepstedt zum ersten Mal in Erscheinung. Die Begleiterin einer Schulklasse entdeckt einen maskierten Mann in einem leeren Schlafsaal, wobei dieser sofort durch die offene Terrassentür flüchtet. Schon wenige Tage später versucht er erneut im Kinderheim einen 11-jährigen Jungen zu missbrauchen, aber als dieser schreit, flüchtet er. Zur gleichen Zeit kommt es in den Schullandheimen Badenstedt und Cluvenhagen zu versuchten Missbräuchen. Früh morgens am 31. März 1992 im Internat Scheeßel bemerkt ein Zimmergenosse das sein 13-jähriger Freund Stefan Jahr nicht in seinem Bett liegt. Als er Stefan nirgends vorfindet informiert er die Heimleitung. 3,5 Stunden später beginnen die Ermittlungen der Kripo Verden im Internat. Am 3. Mai 1992 wird in den Verdener Dünen die Leiche eines Jungen mit auf den Rücken gefesselten Händen aufgefunden. Sie war ca. 30 cm tief vergraben und durch Tiere teilweise freigelegt. Die Obduktion ergibt, es handelt sich um Stefan Jahr. Schon im August 1992 und auch den Folgejahren kommt es immer wieder in norddeutschen Kinder- und Schullandheimen, sowie Zeltlagern zu diversen Missbräuchen an Jungen, die immer nach dem gleichen Schema ablaufen. Ulrich Jahr, der Vater des ermordeten Stefan, kann sich mit den Schlussfolgerungen der Kripo nicht anfreunden und als auch noch sieben Monate nach der Tat mangels erfolgsversprechender Ermittlungsansätze der Fall vorläufig eingestellt wird, beantragt er mit Hilfe eines Strafverteidigers Akteneinsicht und begibt sich selbst auf eine jahrelange Spurensuche. Drei Jahre später am 24. Juli 1995 verschwindet aus einem Zeltlager am Selker Noor der 8-jährige Dennis Rostel. Am 8. August 1995 macht dann ein Spaziergänger rund 270 km entfernt in Dänemark eine grausige Entdeckung. Aus dem Heidesand in den Dünen ragt eine Hand heraus, es handelt sich um Dennis Rostel. Zwar kann hier die Kripo bei Recherchen eine Verbindung zu einem Missbrauchsfall aus dem Sommer 1992 im gleichen Zeltlager ermitteln, aber auch hier kann kein Durchbruch erzielt werden. Ebenso drang ab April 1994 im Raum Bremen immer wieder ein Täter in Einfamilienhäuser ein und missbrauchte dort Jungen. Am. 10. August 1998 verschwindet der 11-jährige Nicky Verstappen aus dem niederländischen Zeltlager bei Brunssum. Einen Tag später wird er in einer nahen Fichtenschonung tot aufgefunden. Die Missbrauchsfälle reißen in der Zwischenzeit nicht ab. Im Schullandheim Wulsbüttel verschwindet am 5. September 2001 erneut ein Junge. Es ist der 9-jährige Dennis Klein. Vierzehn Tage später am 19. September entdeckt ein Pilzsammler in einem 46 km entfernten Waldstück am Rande eines Forstweges im Gebüsch die Leiche des Jungen, der weitgehend entkleidet ist. Auch hier bestätigt sich der grausame Verdacht, es handelt sich um Dennis Klein. Die Polizei Niedersachsen gründet daraufhin die Soko "Dennis" und erhält auch in diesem Zuge Unterstützung durch die die Dienststelle „OFA (Operative Fallanalyse) Bayern“. Als Ergebnis der vergleichenden Fallanalysen, sowohl für die Mordfälle als auch für die Sexualstraftaten ist von einer Straftatenserie, anscheinend begangen durch einen einzigen Täter, auszugehen. Es folgen Massen-DNA-Tests, öffentliche Fahndung, sogar in "Aktenzeichen XY ungelöst". Mehr als 1800 Spuren gilt es auszuwerten. Doch erneut endeten die europaweiten Ermittlungen immer wieder in einer Sackgasse. Am 6. April 2004 ereignete sich ein weiteres Tötungsdelikt zum Nachteil eines Jungen in Frankreich, der über Nacht aus einem Schullandheim in St. Brevin le Pins (Loiremündung) an der Atlantikküste verschwand. Es handelt sich dabei um den 10-jährigen Jonathan Coulom. Am 19. Mai 2004 wird Jonathan in einem Teich bei Guerande, ca. 35 km vom Verschwindeort entfernt, ermordet aufgefunden. Auch hier eine sehr schwierige Ausgangslage für die französische Sonderkommission "Disparition 44", denn erneut kaum auswertbare Spuren. Aber da die Fälle in den Niederlanden und in Frankreich Parallelen zu denen in Norddeutschland aufweisen,  vermutet man einen Zusammenhang. Auffällig auch, dass der Täter alle drei Jahre mordet: 1992-1995-1998-2001-2004. Es vergehen weitere Jahre der Ermittlungen, auch Stefan Jahr's Vater Ulrich ist in den vergangen Jahren nicht untätig gewesen. Er hat viel Geld in die Recherchen seines Anwalts und eines Privatermittler investiert, aber auch er kommt nicht weiter. 2007 scheint das Gesetz der Serie durchbrochen. Es kommt zu keinem weiteren Mord, die Vermutung der Ermittler liegt nahe, dass sie dem Täter eventuell schon sehr nahe gekommen sind. Aber am 17. Juni 2009 dringt erneut ein Mann in eine Jugendherberge bei Rheine an und entführt ein Kind. Er trägt einen 10-jährigen Jungen in den unmittlbar angrenzenden Stadtpark und fordert ihn nach dessen Aufwachen auf sich auszuziehen. Doch dann sagt er plötzlich zu dem Jungen er kann gehen. Die Ermittler glauben an keine Erfindung einer Geschichte von dem Jungen, denn das beschriebene Tatgeschehen ist zu komplex. Und es passt auch zu einem Fall knapp zwei Monate davor, als ein Mann in eine Wohnung eindringt zwecks versuchtem Missbrauch. Aber auch hier führen die Spuren nicht zum Maskenmann. Im August 2010 kommt aber wieder Bewegung in die Ermittlungen. Es meldet sich ein Zeuge bei der Soko "Dennis", der im Internet eine alte Dokumentation zur Mordserie gesehen hatte, die bei ihm eine Erinnerung weckte. Er gab an, bei einem frühmorgendlichen Jogginglauf in der Nähe des Entführungsortes den Täter gemeinsam mit dem Opfer Dennis Klein in der ersten Septemberwoche 2001 in einem hellen Opel Omega Caravan A oder B gesehen zu haben. Die Ermittler prüften diese Aussage eingehend und hielten sie für schlüssig. Daraufhin wurde eine sogenannte Situationsskizze angefertigt und am 10. Februar 2011 veröffentlicht. Erneut gehen hunderte Hinweise ein, darunter auch die der eines ehemaligen Opfers von 1995. Durch die jüngste Berichterstattung sei ihm ein weiterer Zusammenhang eingefallen, der ihm damals bei den Vernehmungen nicht bewusst war. Wochen vor seinem Missbrauch war er auf einer Ferienfreizeit und damals fragte ihn ein Betreuer im Detail wo er wohne. Er musste sogar eine Zeichnung anfertigen und er hätte mittlerweile den Verdacht dieser Betreuer konnte ihn dann Wochen später überfallen haben. Er konnte sich aber nur noch an den Vornamen Martin erinnern. Die Ermittler glauben an die richtige Spur und sie können den Mann identifizieren. Es handelt sich um den 40-jährigen Pädagogen Martin Ney aus Hamburg, der bis September 2000 in Bremen wohnte. Eine Datenbankrecherche fördert weitere Erkenntnisse zutage. 1989 bereits wegen versuchter Erpressung nach Jugendstrafrecht verurteilt, aber diese Vorstrafe wurde mit Vollendung seines 24. Lebensjahrs aus dem Erziehungsregister gelöscht. 2005 wurde ihm sexueller Missbrauch in zwei minder schweren Fällen vorgeworfen, das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldauflage von 1.800 Euro jedoch eingestellt. 2006 drohte Ney einem Sozialarbeiter aus Berlin, ihn wegen des Besitzes von Kinderpornografie anzuzeigen, und forderte für sein Schweigen 20.000 Euro. Daraufhin wurde er im selben Jahr wegen versuchter Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Im Dezember 2007 wurde Martin Ney erstmals von der Soko "Dennis" befragt, da sich bei ihm mittels der Rasterfahndung Übereinstimmungen mit dem Täterprofil ergeben hatten. Dabei verneinte er jeden sexuellen Bezug zu Kindern. Die Aufforderung zur Abgabe einer Speichelprobe, der er 2008 freiwillig nicht nachkam, konnte mangels hinreichenden Tatverdachtes rechtlich nicht durchgesetzt werden. Nach Abschluss der Vorermittlungen wurde dann am 13. April 2011 Martin Ney vom SEK verhaftet. Nach erstem Leugnen verweigert Ney noch die Aussage, doch tags darauf gesteht er dann. Er gibt zu Stefan Jahr, Dennis Rostel und Dennis Klein ermordet, sowie rund 40 weitere Kinder missbraucht zu haben. Am 15. Juli erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Ney wegen dreifachen Mordes und sexuellen Missbrauch in zwanzig Fällen. Die restlichen Fälle waren bis dato schon verjährt. Am 10. Oktober beginnt der Prozess vor dem Landgericht Stade, wobei Ney sich geständig zeigte. Am 27. Februar 2012 wurde Martin Ney zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. Zudem stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest, aber die Verteidiger Neys legten Revision ein. Im Revisionsverfahren wurde dann am 13. Januar 2013 durch den Bundesgerichsthof die verhängte Sicherheitsverwahrung aufgehoben. Inzwischen wurde festgestellt, dass die DNA von Nicky Verstappen's Mörder nicht mit der von Martin Ney übereinstimmt, aber im Fall von Jonathan Coulom laufen immer noch die Ermittlungen der französischen Polizei. Der heute 47-jährige Martin Ney soll im fraglichen Tatzeitraum im Mai 2004 in Tatortnähe gewesen sein. Ulrich Jahr, der Vater des ersten Todesopfer sagte an einem der Verhandlungstage über Martin Ney folgendes: "Auch noch mit 65 oder 80 Jahren wird er in der Lage sein, einem kleinen Jungen den Hals zuzudrücken. Ich möchte mit diesem Hinweis nur die Hoffnung ausdrücken, dass diese Kreatur in der Haft sterben wird." Am 7. März 2012, neun Tage nach der Urteilsverkündung verstarb Ulrich Jahr durch einen Herzinfarkt. Dessen Sohn Oliver sagte damals: "Mein Vater war das vierte Opfer des Maskenmannes."
 
Quellenangaben:
  1. Stephan Harbort: Killerinstinkt / Ullstein Verlag 2012 / ISBN:  978-3-548-37477-2
  2. Offizielle Seite der Polizei Niedersachsen zur Soko Dennis (vom 1. Juli 2011 im Internet Archive)
  3. Wikipediaeintrag: Martin Ney (Serienmörder)
  4. Geständnis des Kindermörders in: Spiegel TV Magazin vom 14. August 2011 (15 Minuten)



Donnerstag, 17. Mai 2018

Themenwoche Serienmörder: Stephan Harbort - Killerinstinkt



Kurzbeschreibung:

Warum wird ein unscheinbarer Familienvater zum kaltblütigen Killer? Was bringt einen Krankenpfleger dazu, seine Patienten zu töten? Stephan Harbort, Deutschlands bekanntester Serienmordexperte, hat mit unzähligen Tätern gesprochen, um ihren Motiven auf den Grund zu gehen. In diesem Buch versammelt er die spektakulärsten Fälle seiner Karriere und gewährt uns einen persönlichen und exklusiven Einblick in die Arbeit mit den Tätern.

Buchdaten:

Taschenbuch: 288 Seiten
Erscheinungsdatum: 14. Dezember 2012
ISBN: 9783548374772

Meine Meinung:

Stephan Harbort ist Kriminalhauptkommissar und führender Serienmordexperte in Deutschland. In "Killerinstinkt" versammelt er sieben Fälle des Phänomen "Serienmord". Dabei beschäftigt ihn vor allem die Frage was Menschen zu Mördern werden lässt. Neben der Recherche zu den Fällen in der Landesbibliothek und den Gerichtsakten sucht er vor allem den Kontakt zu Angehörigen der Opfer und den Tätern. Dabei gelingt es ihm immer wieder einen oder auch mehrere Gesprächstermine im Abstand der Jahre zu erhalten und dadurch auch Entwicklungen bei den Tätern in Haft zu sehen. Durch den geschickten Wechsel und die Einbeziehung von Täter- und Opferperspektiven wird dieses Buch zu einer spannenden Lektüre. Teilweise geht es einem schon unter die Haut, den es beruht alles auf realen Fällen und keiner Fiktion. Bei den Fällen handelt es sich in diesem Buch ausschließlich um männliche Serientäter. Bei den Motiven kristallisiert sich dabei Macht, Sexualität und Gewalt heraus. Damit eigentlich klassische Motive, die man bei männlichen Tätern häufig beobachtet. Die sachliche Aufarbeitung der Fälle ist dabei sehr gut gelungen. Nicht sensationslüstern wie so manches Revolverblatt, sondern klar dargestellt wie so mancher Täter eiskalt agierte und ohne die Verbrechen zu beschönigen teilweise auch Opfer seiner eigenen Welt wurde.
 
Bewertung auf meiner Skala:
 
95%
 

Mittwoch, 16. Mai 2018

Themenwoche Serienmörder - Definition

Wer oder was ist eigentlich ein Serienmörder? Wo ist die Abgrenzung? Ich möchte Euch heute einen kleinen Abriss über die Definition geben.

 
Bis in die achtziger Jahre wurden Serienmörder auch Mehrfachmörder genannt und der einheitlichen Kategorie Massenmörder ebenso wie die Rauschmörder zugeordnet. Statistisch wurde dies nicht unterschieden. Das hat sich mittlerweile geändert, denn die Definition eines Massenmörder ist heutzutage eine andere. Massenmörder töten während einer Tat vier oder mehr Personen am gleichen Ort, Rauschmörder mindestens drei Menschen an unterschiedlichen Orten in kurzem zeitlichen Abstand. In der Regel suchen sich Massen- und Rauschmörder ihre Opfer nicht gezielt aus, Serienmörder haben aber oft ein grobes Opfer-Schema im Kopf (z.B. Pädophile) oder suchen sich ihre Opfer gezielt.
 
Das FBI definierte 1992 in ihrem "Crime Classification Manual" den Serienmord sinngemäß wie folgt:
"Die gesetzwidrige Tötung von zwei oder mehr Opfern durch denselben (oder dieselben) Täter zu verschiedenen Gelegenheiten."[1]
 
Der Kriminalhauptkommissar und Serienmord-Experte Stephan Harbort vom Polizeipräsidium Düsseldorf geht noch einen Schritt weiter und definiert in seinem Buch "Killerfrauen" den Serienmord wie folgt:
"Demnach liegt ein Serienmord vor, wenn der/die voll oder vermindert schuldfähige Täter/-in alleinverantwortlich oder gemeinschaftlich mindestens zwei versuchte bzw. vollendete Tötungsdelikte begeht (§§ 211 [Mord], 212 [Totschlag], 213 [minder schwerer Fall des Totschlags] StGB), die jeweils von einem neuen Tatentschluss getragen werden und in keinem inneren Zusammenhang stehen."[1]
 
Generell schließt dies aber nicht aus, das ein Serienmörder während einer Tat auch mehrere Opfer tötet. Serienmorde werden oft schwer als solche erkannt, denn die Taten können zeitlich sehr weit auseinanderliegen. Gleiches gilt für das Örtliche. Durch Globalisierung und Grenzöffnungen kann dieser Faktor sogar noch verstärkt wirken. Dabei ist der Serienmord kein neuzeitliches Phänomen. Bereits im ersten Jahrhundert nach Christus soll die römische Giftmischerin Lucusta an der Ermordung von Kaiser Claudius beteiligt gewesen sein, indem sie Agrippina das Gift lieferte.[2] Auch Nero schickte ihr Schüler, die sie in der Kunst des Giftmischens unterrichten sollte. Galba, der Nachfolger Neros, ließ sie letztendlich hinrichten. Lucusta gilt als der erste überlieferte Fall einer weiblichen Serienmörderin. Im Mittelalter galten im nahen Osten die Assassinen und die indischen Thuggee als sehr bekannte Vertreter dieser Kategorie. 1888 - 1891 löste Jack the Ripper durch die Whitechapel-Morde (eine Serie von insgesamt elf Morden) als erster Serienmörder durch die weltweiten Zeitungsreportagen einen bisher nie dagewesenen Medienrummel aus. Diese Mordserie ist bis heute ungeklärt und Jack the Ripper ordnen dabei die Experten nur die "kanonischen Fünf" von 1988 zu. Bei den restlichen sechs Morden ist dies umstritten, ob sie dem gleichen Täter zuzuordnen sind.[3] 76% der bekannten Serienmörder des 20. Jahrhunderts stammen aus den USA, wie z.B. Ted Bundy.[4] Aber auch noch ungeklärte Serienmorde erlangten Berühmtheit, wie z.B. die Taten des Zodiac-Killer.[5] Der Mitte der siebziger Jahre in San Francisco von der Polizei und Presse als "The Doodler"[6] bezeichnete unbekannte Täter gehört da sicherlich auch dazu. Mit insgesamt vierzehn Todesopfern handelt es sich bis heute um einen der zahlenmäßig bedeutendsten ungelösten Serienmorde.
 
Quellenangaben:
  1. Stephan Harbort: Killerfrauen / Knaur Verlag 2017 / ISBN: 978-3-426-78866-0 / S. 11-12
  2. Michael Newton: Die große Enzyklopädie der Serienmörder / Verlag f. Sammler 2009 / 978-3-853-65240-4 / S. 134
  3. Michael Newton: Die große Enzyklopädie der Serienmörder / Verlag f. Sammler 2009 / 978-3-853-65240-4 / S. 186-191
  4. Michael Newton: Die große Enzyklopädie der Serienmörder / Verlag f. Sammler 2009 / 978-3-853-65240-4 / S. 130