Sonntag, 20. September 2020

Petra Grill - Oktoberfest 1900 - Träume und Wagnis

 


Kurzbeschreibung:

München, 1900: Dass sie ein einfaches Schankmädchen war, muss Colina verheimlichen. Denn jetzt ist sie aufgestiegen zur Gouvernante der jungen, eigenwilligen Clara. Deren Vater, der Brauereimagnat Prank, strebt nach Macht und Einfluss auf dem Oktoberfest. Auch Claras Verheiratung soll dabei helfen. Aber Clara will sich seinen Befehlen nicht unterordnen. Trotz Colinas Warnung flieht sie von zu Hause. Der Skandal droht alles zu zerstören. Doch dann entwickelt Colina mitten im Glanz und Getriebe des Oktoberfestes einen gewagten Plan: für sich und Clara will sie eine neue Chance aufs Glück erkämpfen.

Buchdaten:

Broschiert: 496 Seiten
Erscheinungsdatum: 26. August 2020
ISBN: 9783810500571

Meine Meinung:

"Oktoberfest 1900 - Träume und Wagnis" ist ein Roman von Petra Grill. Es ist die Geschchte von zwei jungen Frauen. Colina, die als Biermadl ihr Leben bestreiten muss und Clara, die Tochter eines Nürnberger Brauereibesitzer. Als Colina ihre Arbeit verliert, versucht sie sich in dessen Haushalt als Gouvernante von Clara. Doch dies geht nicht lange gut, denn als beide heimlich auf dem Kocherlball im Englischen Garten in München sind, kommt es durch den Leichtsinn von Clara zu deren ungewollter Schwangerschaft. Ein Skandal im damaligen München, wie so manches anderes auch. Doch die örtliche  Polizeigewalt in Form von Oberwachtmeister  Lorenz Aulehner, der gerade zu der Kriminalabteilung der königlichen Schutzmannschaft in München aus Landshut versetzt wurde, ist fasziniert von Colina und deren Art. Jedoch Colina trägt ein Geheimnis mit sich, dass zwischen beiden steht. Und um die beiden jungen Damen herum findet das Oktoberfest 1900 statt, bei dem Brauer und Wirte sich mit aller Macht ihre Schanklizenzen und Pfründe sichern. Dafür sind alle Mittel recht, wenn es um das große Geld geht. Petra Grill führt den Leser dabei 120 Jahre zurück in ein München vor historischen Hintergrund. Die damaligen Moralvorstellungen, die Entwicklung die ein Oktoberfest schon zu jener Zeit nahm und der Stand der Frau um die Jahrhundertwende macht diesen Roman aus. Er liest sich sehr flüssig, in vielem erkannte ich meine Heimatstadt sofort wieder. Das Spiel um Macht und Geld ist dabei gut kombiniert mit der Geschichte der beiden Frauen, die durch die Ereignisse zu Freundinnen und Verbündeten werden. Obwohl vom Verlag als Frauenroman tituliert, ist er auch für männliche Leser zu empfehlen. Er enthält alles was eine gute Geschichte braucht. Lokalkolorit, Intrigen, Machtspiele, Emotionen, damalige Weltbilder, sogar Mord. Letzteren fand ich nur ein klein wenig an den Haaren herbeigezogen, es schmälert aber nicht wesentlich die eigentliche Geschichte. In Summe für mich ein gelungener Roman, der derzeit sogar als TV-Mehrteiler zu sehen ist.

Bewertung auf meiner Skala:

95%

Sonntag, 13. September 2020

Stefan Schweizer - Mörderklima

 


Kurzbeschreibung:

Die Klimakrise hat ganz Deutschland im Griff. Klimawandelleugner versuchen mit allen Mitteln die Bedeutung des menschengemachten Klimawandels herunterzuspielen und scheuen sich dabei nicht, kriminelle Methoden anzuwenden.
Privatdetektiv Georg von Gleiwitz steht vor seinem bisher schwersten Fall. Der blaublütige Privatdozent muss drei mysteriöse Todesfälle im Elfenbeinturm der Wissenschaft auflösen: Wer hat die Datenbasis des Forschungsverbunds ClimateSave manipuliert? Warum stürzte die Ökonomin Frieda vom Forschungsprototypen eines Windrads in den Tod? Handelte es sich bei der Schlaftablettenüberdosis der Soziologin Barbara um Mord oder Selbstmord? Und: Wollte Professor Meyer durch seine effektvoll in Szene gesetzte Selbststrangulation die Öffentlichkeit wachrütteln, um gegen die gesellschaftliche Klimahysterie vorzugehen?
Von Gleiwitz muss all seine detektivischen Fähigkeiten in die Waagschale werfen, um den Geheimnissen des Falls auf die Schliche zu kommen. Dabei erwartet ihn manch böse Überraschung. Nicht nur die Leugner des Klimawandels bedrängen ihn, sondern auch seine Kollegin Tabea rückt ihm auf die Pelle. Dabei weiß Georg immer noch nicht, was seiner großen Liebe Anna, an der noch immer sein Herz hängt, vor Jahrzehnten zugestoßen ist.

Buchdaten:

Taschenbuch: 258 Seiten
Verlag: Mainbook
Erscheinungsdatum: 26. August 2020
ISBN: 97839447612871

Meine Meinung:

"Mörderklima" ist ein Krimi von Stefan Schweitzer. Bisher ist mir der Autor nur durch Sachbücher über die RAF bekannt, nun lese ich diesen Klimawandel-Krimi von ihm. Rund um das Forschungsprojekt ClimateSave kommt es zu drei Toten. Der Privatdozent und Hobbydetektiv Georg von Gleiwitz versucht die Hintergründe dazu zu ergründen. Denn er ist mit Opfern und Tatverdächtigen auch privat bekannt. Stefan Schweizer versucht in diesem Krimi die wissenschaftlichen und politischen Konflikte zur aktuellen Situation der Klimakrise einzubinden. So kommen reale Personen wie Greta Thunberg oder auch unsere amtierende Bundeskanzlerin am Rande vor. Das Grundthema ist daher vielversprechend. Leider fehlte mir aber das essentiell Wichtige eines Krimi: "Spannung", denn diese vermisste ich über weite Strecken. Vielmehr stehen Eigenschaften der agierenden Personen im Vordergrund, oft über mehrere Seiten. Der Einsatz der Gendersternchen ist für mich auch nicht für einen Roman geeignet. Ich empfand dies im Satzbau störend und fast nervig beim Lesen. Ich hätte mir bzgl. Täter mehr Überraschung gewünscht, Handlungsstränge die einen in die Irre führen. So bleibt bei mir am Ende nur der Eindruck eines Roman zum Thema Klima, aber nicht eines überzeugenden Krimis.

Bewertung auf meiner Skala:

50%

Donnerstag, 10. September 2020

Nadine Matheson - Jig Saw Man - Im Zeichen des Killers

 


Kurzbeschreibung:

Der menschliche Körper ist ein wunderbares Puzzle, einzigartig in seiner Präzision und seiner aufeinander abgestimmten Perfektion!
Der Jigsaw Man liebt Puzzles über alles. Doch ein perfektes Puzzle ist nur eines, das in seine Einzelteile zerlegt ist. Nur so kann er die wahre Schönheit erkennen - indem er jedes Teil für sich betrachtet. Hände, Füße, Beine, Arme, Köpfe. Welche Freude! Und wahre Freude muss man teilen, nicht wahr? In der ganzen Stadt …
Wirst du sein nächstes Opfer sein?

Buchdaten:

Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Lübbe
Erscheinungsdatum: 28. August 2020
ISBN: 9783404180578

Meine Meinung:

"Jig Saw Man - Im Zeichen des Killers" ist der erste Roman von Nadine Matheson. Detective Inspector Henley hatte einst diesen Serienkiller ins Gefängnis gebracht. Fast wäre sie dabei selbst eines seiner Opfer geworden. Als plötzlich mehrere zerstückelte Leichen gefunden werden, werden Erinnerungen wach. Aber der Jig Saw Man sitzt hinter Gitter, haben sie und ihr Kollege Ramouter es mit einem Nachahmungstäter zu tun? Als ich den Klappentext dieses Thriller las, sprach er mich sofort an. Ich erhoffte mir ein psychologisches Katz und Maus Spiel zwischen Ermittler und Täter. Ein Puzzle, das den Leser fesselt. Leider wurde dieser Thriller aber meinen Erwartungen nicht gerecht. Man wird zwar schnell mit ordentlich Opfern konfrontiert, aber dies ist fast schon eine Aneinanderreihung. Aber dann schweift die Autorin immer wieder in das Privatleben von Henley ab. Normalerweise ist das für mich kein Problem, hier führt es aber immer wieder zum Spannungsabriss. Die Ermittlerin Henley wurde mir dadurch auch nicht sympathischer. Sehr früh hatte ich eine Theorie bzgl. des Täters, die sich dann im Laufe des Buches auch als korrekt erwies. Zwischendurch blitzten immer wieder gute Ansätze auf, aber sie reichen nicht aus um aus der Geschichte einen fesselnden Thriller zu machen. Die Grundidee ist durchaus sehr gut, aber in der Umsetzung fehlte einfach der letzte Schliff. Eigentlich schade, denn man hätte mehr daraus machen können. So reiht sich dieser Thriller für mich eher in die breite Masse ein, hinterlässt damit keinen bleibenden Eindruck.

Bewertung auf meiner Skala:

75%

Mittwoch, 2. September 2020

Sabrina Qunaj - Der erste König

 


Kurzbeschreibung:

Britannien im 8. Jahrhundert: Der junge Adlige Offa träumt davon, ein großer Krieger Mercias zu werden und das Land gegen die Waliser zu verteidigen. Doch als der König hinterhältig getötet wird, steht Offa plötzlich vor einer gewaltigen Aufgabe: Er selbst wird zum neuen König ernannt und soll die angelsächsischen Reiche unter Mercia einen. Die Krone verschafft ihm mächtige Feinde. Nicht zuletzt wegen der mysteriösen, schönen Drida, die vom fränkischen König Karl zum Tode verurteilt und auf dem offenen Meer ausgesetzt wurde. Als sie an Britanniens Küste gespült wird, bringt sie nicht nur Offas Herz sondern auch sein Reich in größte Gefahr …

Buchdaten:

Taschenbuch: 896 Seiten
Erscheinungsdatum: 17. August 2020
ISBN: 9783442488520

Meine Meinung:

"Der erste König" ist der neue historische Roman von Sabrina Qunaj und Auftakt einer möglichen neuen Reihe. Er spielt im Zeitraum 747 - 773 a.D. und erzählt die Geschichte des jungen Offa von Mercia, dem ersten Angelsachsen der sich als König von England bezeichnete und seiner Gattin Cynethryth, kurz Drida. Dabei ist das Buch in zwei Abschnitte eingeteilt. Der kleinere beschäftigt sich mit Offa's Aufstieg zum König, der große zweite Teil mit Drida's Werdegang im Frankenland und deren schicksalshaften Weg nach Britannien an die Seite von König Offa. Ein schwerer Werdegang steht den beiden bevor, getrieben von eigenen Gefühlen, aber auch Verantwortung gegenüber dem Königreich. Es gibt viele historische Romane über England aus der Zeit von Alfred dem Großen oder später. Sabrina Qunaj greift hier aber eine Zeit in der Historie auf, über die wenig bekannt ist und ich selbst auch das erste Mal lese. Basierend auf historischen Daten erzählt sie diesen Roman und vermischt hervorragend Fiktion mit Geschichte, so dass für den Leser ein packendes Mittelalterabenteuer entstand. Zwar gibt es wenige kleinere Passagen, die mir persönlich einen kleinen Touch von Fantasy zuviel hatten, speziell Dridas Beziehung zu ihrem Wolf Luna, aber in Summe ist es stimmiger Roman. Gut gefällt mir dabei Dridas Zerrissenheit zwischen ihren alten Banden ins Frankenland, wo Karl der Große die Herrschaft an sich zog und ihrer Verbundenheit zu ihrem Gatten und ihrer neuen Aufgabe als Königin von Mercia. Als Leser kann man sehr diese Spannungen und Gefühle spüren und nachvollziehen. "Der erste König" ist weniger ein Roman der von großen Schlachten geprägt ist, aber einer der all die schwierigen Herrschaftsverhältnisse dieser Zeit gut vermittelt. Offa's Dyke ist zum Beispiel ein bis heute sichtbares Zeichen. Eine in Summe fast 129 km lange Wallanlage, die Offa damals zur Abgrenzung des angelsächsischen Königreichs Mercia zu den keltischen Fürstentümern im heutigen Wales errichtete. Diese gilt bis heute als eines der größten landschaftsprägenden und am besten erhaltenen frühmittelalterlichen Bauwerke in Westeuropa. Mir hat dieser neue historische Roman von Sabrina Qunaj gut gefallen und ich bin gespannt wie der Weg von König Offa und seinem Königreich Mercia in einem weiteren Roman hoffentlich fortgesetzt wird. Wer sich für historische Romane über England interessiert, der sollte auch zu diesem Buch greifen.

Bewertung auf meiner Skala:

95%

Dienstag, 25. August 2020

Robert Fabbri - Vespasian: Das ewige Feuer

 


Kurzbeschreibung:

A.D. 63: Vespasian ist Gouverneur von Africa, wo er 500 römische Bürger in einem weit entfernten Wüstenstaat befreien soll. Vespasian hofft, so in Kaiser Neros Gunst aufzusteigen. Doch in dem Staat trifft er auf eine versklavte Bevölkerung kurz vor der Revolte. Vespasian flieht mit den römischen Bürgern durch die fruchtlose Wüste, stets verfolgt von den Rebellen ...
In Rom leben die Menschen derweil in Angst und Schrecken vor Neros Verbündeten. Kann der Kaiser gestoppt werden, bevor das Reich an sich selbst zerbricht? Und wer soll Nero Einhalt gebieten?

Buchdaten:

Taschenbuch: 512 Seiten
Erscheinungsdatum: 18. August 2020
ISBN: 9783499002885

Meine Meinung:

"Das ewige Feuer" ist der achte Band aus der Vespasian-Reihe von Robert Fabbri und umfasst die Jahre 63 - 67 A.D. Das Buch ist dabei wieder in vier Abschnitte geteilt. Beginnend in der Zeit als Statthalter von Africa soll Vespasian 500 römische Bürger aus der Sklaverei der Garamanten befreien. Dieses Unterfangen gestaltet sich äußerst schwierig, denn auch alte Feinde erschweren ihm die Aufgabe. Im zweiten Teil ist Vespasian zurück in Rom, die Ausschweifungen Kaiser Neros werden immer mehr und dessen Verhältnis zum römischen Senat ist mehr als gespalten. Als auch noch der Brand von Rom ausbricht, ist die ganze Stadt in Angst und Schrecken. Im dritten Teil flüchtet Vespasian auf sein Landgut, auf dem ihn auf schreckliche Weise die Vergangenheit von vor über 40 Jahren einholt. Er muss einen schrecklichen Blutzoll lassen, bevor er im vierten Teil wieder nach Rom zurückkehrt. Dort ist die Zuweisung der Schuld am Brand von Rom in vollem Gange und gleichzeitig erbaut der Kaiser sein neues "Neropolis". Robert Fabbri ist mit diesem neuen Band erneut ein spannender Teil der Geschichte Vespasians gelungen. Obwohl heute bekannt ist das Nero die Brände in Rom nicht selbst gelegt hat (er weilte zu der Zeit in seiner Sommerresidenz), ist bis heute ungeklärt ob er ihn in Auftrag gegeben hat, zumal nach ersten Löscharbeiten dieser erneut durch weitere Feuer angefacht wurde. Bis heute ist das aber reine Gerüchteküche und konnte nie komplett aufgelöst werden. Um diesen Gerüchten ein Ende zu setzen brachte Nero die Sekte der Christen als Schuldige ins Spiel. Er selbst errichtete ein Flüchtlingslager und senkte die Getreidepreise. So war für das Volk alles wieder eindeutig bzgl. der Schuldfrage. Doch es kam zur Pisonischen Verschwörung gegen ihn. Auch diese baut Fabbri in seinen Roman sehr gut ein. Es war der dilettantische Versuch von Angehörigen des Senats Neros Ermordung herbeizuführen. Vespasian und sein Bruder hielten sich geschickt aus der Sache heraus. Weitere wichtige Ereignisse wie der Tod der Kaiserin Poppaea, sowie der Aufstand in Judaea fällt ebenfalls in diese Zeit und der Autor bindet sie geschickt in diesen Roman ein. Neros Dekadenz und seine spätere Tyrannei werden dabei plastisch geschildert, sein Hang zur Rolle als Darsteller. Robert Fabbri orientiert sich bei seinem fiktiven Roman dabei hauptsächlich an den Schriften von Tacitus, Sueton und Cassius Dio. Besonders gefällt dabei auch, dass der Leser auch wieder im Nachwort dazu Erläuterungen erhält. "Das ewige Feuer" ist für mich ein weiterer gelungener Band. Er beleuchtet sicherlich nicht alle Seiten Neros, aber bringt dem Leser ein fesselndes und kurzweiliges Lesevergnügen. Fiktion und Geschichte werden gut verwoben, ein weiterer Lebensabschnitt von Vespasian spannend dargestellt. Ich freue mich schon jetzt auf den im Herbst erscheinenden abschließenden neunten Band dieser Reihe, wenn Vespasians Weg als "Kaiser von Rom" endet.

Bewertung auf meiner Skala:

95%

Dienstag, 18. August 2020

Joseph Lemark - Kollateralschaden

 


Kurzbeschreibung:

Eine fröhliche Geburtstagsfeier endet in einem Blutbad. Major Vierzigers Freundin liegt schwer verletzt im Schnee der letzten Februarnacht, ein Passant niedergestreckt wenige Meter daneben. Vierzigers Freundin überlebt schwer verletzt – der Passant, ein Journalist der führenden Lokalzeitung, ist tot. Galt das Attentat in Wahrheit Josef Vierziger? Ein Racheakt? Was haben ein Spitzensportler und sein Manager damit zu schaffen? Stehen geheime Recherchen des toten Journalisten mit dem Anschlag in Verbindung? Und wie fügt sich die missbrauchte Leiche eines dreizehn jährigen afrikanischen Mädchens in diese Geschichte? Die Ermittlungen führen in ein Geflecht von Finanzgeschäften, Sportdoping und Kinderhandel und bringen Major Vierziger an seine Grenzen.

Buchdaten:

Taschenbuch: 335 Seiten
Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2019
ISBN: 9783990740682

Meine Meinung:

"Kollateralschaden" ist der dritte Fall des Linzer Ermittlerduo Vierziger / Glück von Joseph Lemark. Als Major Vierziger mit seiner Freundin Conny auf dem Heimweg von deren Geburtstagsfeier ist, wird auf offener Straße auf sie geschossen. Dabei wird ein ebenfalls anwesender Journalist tödlich getroffen, Conny muss nach einer Not-OP ins künstliche Koma versetzt werden. Einzig Major Vierziger bleibt wie durch ein Wunder unverletzt. Es stellt sich die Frage wem der Anschlag galt: Rache eines Kriminellen an Major Vierziger oder steckt ein anderes Motiv dahinter? Denn der tote Journalist war anscheinend einem ganz anderen Verbrechen auf der Spur. War der Schuss auf Vierziger's Freundin praktisch ein Kollateralschaden? Gemeinsam mit Chefinspektorin Glück versucht er Licht ins Dunkel zu bringen. Joseph Lemark setzt hier einen Kriminalfall auf, bei dem der Ermittler unmittelbar selbst betroffen ist. Ohne das ich die Vorgängerbände kenne, war es als Leser aber keinerlei Problem in die Geschichte hineinzukommen. Sind anfangs zwei mögliche Tatmotive im Raum, gesellen sich im Laufe des Buches andere hinzu. Doch die Ermittlungen laufen dann schnell in eine gewisse Richtung. Der Leser lernt die Figur Vierziger gut kennen, sowohl seine private Seite als auch sein langjähriges Ermittlerdasein. Man merkt ihm seine gewisse "Müdigkeit" nach den vielen Dienstjahren an, gepaart mit dem Eifer seiner jungen Kollegin. Der Krimi beginnt spannend, macht dann eine kleine Atempause und steigert sich gegen Ende wieder immer mehr bis zum Finale. Hier hält der Autor nochmal eine Wendung parat, die ein wenig überraschend kommt. "Kollateralschaden" ist für mich ein lesenswerter Krimi, teilweise mit einer Portion österreichischem Schmäh in den Dialogen und gutem Lokalkolorit.

Bewertung auf meiner Skala:

85%

Donnerstag, 13. August 2020

Margit Steinborn - Ein neuer Himmel

 


Kurzbeschreibung:

Würzburg 1933: Kurz nach der Machtergreifung verliert die junge Jüdin Hannah Rosenberg ihre Stelle als Musiklehrerin. Auf dem abgelegenen Sandnerhof findet sie ein neues Zuhause für sich und die kleine Melina, aber auch auf dem Land wird es immer gefährlicher. Während Hannah ein Leben im Verborgenen führen muss, macht Peter Hagen, der Mann, den sie immer noch liebt, schnell Karriere im Reichsministerium. Als dem ehrgeizigen Juristen klar wird, dass er für den beruflichen Erfolg seine Seele verkauft hat, ist es fast zu spät für ihn, das Richtige zu tun …

Buchdaten:

Taschenbuch: 464 Seiten
Erscheinungsdatum: 9. Juni 2020
ISBN: 9782496704358

Meine Meinung:

"Ein neuer Himmel" ist der erste Roman von Margit Steinborn. Sie erzählt die Geschichte der jüdischen Musiklehrerin Hannah Rosenberg, die mit ihrer kleinen Tochter Melina vor den Nazis flüchten muss. Auf einem abgelegenen Bauernhof bei Würzburg findet sie Unterschlupf, während der Vater ihrer Tochter eine steile Karriere als SS-Mann im Reichsministerium macht. Als sich während der Kriegsjahre die Situation zuspitzt, muss Hannah Rosenberg versuchen ins Ausland zu kommen, aber die Flucht scheitert. Während die kleine Melina gerade noch vor der Gestapo gerettet werden kann, führt Hannahs Weg nach Auschwitz. Doch sie überlebt und nach dem Krieg beginnt eine verzweifelte Suche nach der verlorenen Tochter. Margit Steinborn verwebt hier ihre fiktiven Figuren und die Story mit tatsächlichem geschichtlichen Hintergrund. So ist der Rahmen der Ereignisse historisch, aber die Erzählung ein reiner Roman. Die Kapitel sind dabei immer kurz gehalten und mit dem jeweiligen Handlungsort und Datum übertitelt. Der Leser kann damit den verschiedenen Handlungssträngen gut folgen. Dieser Roman ist berührend, denn er zeigt zum einen die unglaubliche Spirale der Gewalt gegen Juden im dritten Reich, zum anderen aber auch den Mut von Menschen sich im Geheimen für Flüchtende einzusetzen. Nicht jeder war Nazi und das Leid, das durch das Regime über die Menschen gebracht wurde ist unsagbar. Dieses Buch habe ich zügig gelesen, die Story hat mich ergriffen. Immer wieder bangte ich mit Hannah und ihrer kleinen Tochter um deren Leben, hoffte das Ihnen das Schicksal gnädig ist. Zwar war mir die Zusammenführung im zweiten Teil des Romans ein klein wenig zu überspitzt mit den Ereignissen in Rom, dies schmälert das Buch aber in keiner Weise. Margit Steinborn hat ein ergreifendes und emotionales Erstlingswerk geschrieben, dass mir gut gefallen hat.

Bewertung auf meiner Skala:

90%